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Liebe-Lose-Gedichte 
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Zwischen Griechenland und Internet
Kleine Einführung in die Dichtkunst - mit Textbeispielen klassischer Dichter

IV. Spanische Formen 


 
Donna Alda

(Altspanische Romanze, übersetzt von Friedrich Dietz)

In Paris wohnt Donna Alda, die Verlobte Don Roldans,
hat dreihundert Fräulein bei sich zur Begleitung allesamt;
alle kleiden gleiche Kleider, gleiche Schuh beschuhn sie all,
essen all an gleicher Tafel, gleiches Brot genießen all,
nur nicht Donna Alda, die die Vornehmst in der Schar.
Hundert ihrer spannen Gold, hundert webten Zindeltaft,
hundert rührten Saitenspiele, daß sich Alda freu daran.

Bei dem Klang der Saitenspiele fiel sie einst in einen Schlaf.
Einen Traum hat sie geträumet, einen Traum voll Weh und Angst.
Da erwachte sie erschrocken, und voll großer Furcht begann
sie so laut sich zu beklagen, daß man in der Stadt vernahm.
Jetzo sprachen ihre Jungfraun, wohl vernehmt, was sie gesagt:
"Was doch fehlt euch, meine Herrin? Wer hat euch ein Leid getan?" --
"Einen Traum träumt ich, ihr Jungfraun, der mir brachte Weh und Angst!
Sahe mich auf einem Berge, einem ganz verlaßnen Platz,
fliegen sah ich einen Habicht von dem Hochgebirg herab,
hinter ihm ein kleiner Adler, der ihm heftig setzte nach.
Habicht drauf in großen Nöten barg sich unter mein Gewand,
doch der Aar im großen Zorne hat ihn draus hervorgebracht,
mit den Klauen ihn entfiedert, mit dem Schnabel ihn zerhackt."
Jetzo sagt ihr Kammerfräulein, wohl vernehmt ihr, was er sprach:
"Herrin diesen Traum gedenk ich wohl zu lösen dergestalt:
Habicht, seht, ist euer Bräutgam, kommt zur See aus fernem Land,
doch der Adler seid ihr selber, die er nimmt zum Ehgemahl,
und der Berg zeigt an die Kirche, wo die Trauung wird getan." --
"Geht es so, mein Kammerfräulein, sollst du reichen Lohn empfahn."
Tags darauf des Morgens frühe wird ein Brief zu ihr gebracht,
innen blutgefleckt und außen stand mit Blut geschrieben klar:
Ihr Roldan sei umgekommen auf der Jagd bei Roncesvall.
  
(Wackernagel, Gedichte, 1845)

Der Schatzgräber



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Karin Rohner
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