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Mein Leben als
"Under-Cover-Taugenichts" - von Karin Rohner
sehr frei nach Joseph von
Eichendorff
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Träumerei
Romantische
Grußkarten
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"Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort."
Joseph von Eichendorff
"Under-Cover-Taugenichts"
Wie liebe ich die kleinen Novellen, die wir in der Schule lasen! "Pole
Poppenspäler" von
Theodor Storm, "Das Amulett" und "Gustav Adolfs Page" von Conrad
Ferdinand
Meyer,
"Kleider machen Leute" von Gottfried Keller, "Krambambuli" von Marie
von
Ebner-Eschenbach.
Nicht zu vergessen die mystische "Feuerprobe" von Werner Bergengruen.
Sie
alle sind mir in lebhafter Erinnerung geblieben. Doch am meisten liebe
ich die Titelfigur aus Joseph von Eichendorffs Novelle "Aus
dem Leben eines Taugenichts".
Dieses Buch könnte ich jede Woche einmal lesen. Es strahlt so
eine Ruhe und Lebensfreude aus, die ich als Kind vermisste.
Für mich gab es kein Herumliegen und Löcher in die
Luft gucken. Meine Mutter war immer gleich da: "Träum nicht!
Hast du nichts zu tun? Du kannst mal die Treppe wischen!" Gegen jede
Art
von Müßiggang hatte sie irgendein Arbeitsrezept
für mich: Abwaschen, Abtrocknen, Fenster putzen, Unkraut
zupfen...
Als besonders ungerecht empfand ich die Tatsache, dass meinem Bruder
all
diese Tätigkeiten erspart blieben.
Wenn
ich am Morgen wieder mal keine Lust
habe, mich anzuziehen, und stundenlang in meinem kuscheligen Morgenrock herumsitze, die
warme Pudelmütze auf dem Kopf, weiß ich diesen Luxus
zu schätzen. Dann träume ich mich hinein in des
Einnehmers prächtigen roten Schlafrock mit gelben Punkten,
seine grünen Pantoffeln - und ich ahne, wovon Eichendorff
sprach, als er meine Lieblingszeilen schrieb:
...
Ich hatte noch mehrere Gerätschaften gefunden,
die der selige Einnehmer seinem Nachfolger hinterlassen, unter andern
einen prächtigen roten
Schlafrock mit gelben Punkten, grüne Pantoffeln, eine
Schlafmütze und einige Pfeifen mit langen Röhren. Das
alles hatte ich mir schon einmal gewünscht, als ich noch zu
Hause war, wo ich immer unsern Pfarrer so bequem herumgehen sah. Den
ganzen Tag (zu tun hatte ich weiter nichts) saß ich daher auf
dem Bänkchen vor meinem Hause in Schlafrock und
Schlafmütze, rauchte Tabak aus dem längsten Rohre,
das ich von dem seligen Einnehmer vorgefunden hatte, und sah zu, wie
die Leute auf der Landstraße hin und her gingen, fuhren und
ritten. Ich wünschte nur immer, daß
auch einmal ein paar Leute aus meinem Dorfe, die immer sagten, aus mir
würde mein Lebtage nichts, hier vorüberkommen und
mich so sehen möchten. Der Schlafrock stand mir schön
zu Gesichte, und überhaupt das alles behagte mir sehr gut. So
saß ich denn da und dachte mir mancherlei hin und her, wie
aller Anfang schwer ist...
Wenn
ich dann meinen
Mann frage: "Was meinst du, soll ich mich jetzt mal anziehen?"
antwortet er: "Das musst du selbst entscheiden.
Wenn du
dich so wohl fühlst..."
Zum Schluss muss ich noch gestehen,
dass ich meine Mutter jahrelang hinters Licht
führte: Während ich Schularbeiten machte,
brauchte ich keine Hausfrauenpflichten zu übernehmen.
Darum saß ich stundenlang über meinen
Schulbüchern. Doch unter meinen Heften versteckte ich eine
viel interessantere Lektüre.
Ich war schon damals ein "Under-Cover-Taugenichts".
Karin Rohner 2009 ©
Aus
dem Leben eines Taugenichts
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