Ich als Dichter
Wenn ich den Tag schon opfre doch
Rein nur Vergnügens Sachen,
So will ich wenigst' abends noch
Ein klein Plaisir mir machen.
Ich bitt' du mußt nun hier vor all'n
Auf jeden Scherz verzichten;
Am Tage nämlich tu ich mal'n,
Und abends tu ich dichten.
Ich dicht' auch emsig jeden Tag,
Nicht ohne ihn zu malen,
Ganz gleich, wenn es zuletzt auch mag
Gar manchem nicht gefallen.
Gehör' zur Zahl der Dutzenddichter
Und will auch für die Zeilen nichts,
Das Honorar in Weis' in schlichter,
Bereits bezahlt ist's mir - ich dicht's.
Zum täglich Brot gehört mir Dichten,
Und bring' ich's auch nicht zu Papier,
Muß auf Verleger ich verzichten -
Der Selbstverlag bleibt selig mir.
Carl
Spitzweg 1808-1885
Berg
und Tal
Erst auf den höchsten Zinnen,
Die mühsam du erklommst,
Wird's hell in deinen Sinnen,
Dem Himmel näher kommst!
Willst du ein Weilchen selig
sein,
So leg dich auf den Bauch
Dort in die nächste Wiese 'nein,
Inmitt' der Blumen Hauch!
So bist der Gottheit
näher,
Das Herz, es schlägt dir froh:
Nur meide nahe Späher,
Die finden so was roh!
Carl Spitzweg
1808-1885
Mein Schlafrock
Wie arg, daß jetzt mein Schlafrock hin,
Zerfetzt und durchgefressen,
Kaum siebzehn Jahr ich älter bin,
Seit er mir angemessen.
Von Wolle kaum mehr eine Spur,
Durchlöchert schon von Schaben,
Ich tröste mich mit solchen nur,
Die keinen Schlafrock haben.
Soll ich mir jetzt als Sterbekleid
Noch einen neuen schenken?
Dann möcht' ich ihn bequem und weit,
Wenn sie ins Grab mich senken.
Carl Spitzweg, 1808-1885
Die Ausgrabungen in Olympia
Und
wird die Welt auch noch so alt,
Der Mensch, er bleibt ein Kind!
Zerschlägt sein Spielzeug mit Gewalt,
Wie eben Kinder sind!
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Wann
alles erst in klein zerstückt
Und nichts mehr zu verderben,
So sucht er wieder - neubeglückt -
Und spielt dann mit den Scherben!
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Carl Spitzweg, 1808-1885 |